Das Pferd in der Geschichte Ansbachs

Vor wenigen Jahren brachte der Reit- und Fahrverein Ansbach die Broschüre

 

„Über tausend Jahre Pferde in Ansbach" heraus, die einen bunten Querschnitt durch die Geschichte unserer Heimatstadt gibt. Wenn in dem vorliegenden Beitrag, — ursprünglich als Vortrag dargeboten — nunmehr einige neue Lichter zu alten Thema beigebracht werden, geschieht das nicht zur Entwertung des Heftes von 1965, sondern zur Ergänzung und vielleicht auch zum Ansporn, weitei verschollenen Kapiteln der Geschichte des Pferdes in Ansbach nachzuspüren.

 

Die älteste Begegnung mit dem Pferd lässt sich schon in prähistorischer Zeit nachweisen. Das Ansbacher Kreis- und Stadtmuseum verwahrt in seiner vor und frühgeschichtlichen Sammlung vier durchbrochene, verzierte, sonnenähnliche Scheiben aus Bronze, die als Teile eines Pferdegeschirrs bestimmt wurden. Sie entstammen einer Beisetzung am Hesselberg, die in die Hallstattzeit datiert, wird und damit ein Alter von ungefähr 3000 Jahren haben dürfte. Hier begegnet uns für die engere Heimat zum ersten Mal die Beziehung von Mensch und Pferd.

 

Das nächste Zeugnis ist rund 1500 Jahre jünger und gehört in die Zeit der Völkerwanderung. Vor einigen Jahren entdeckte Fritz Grosch ein Reihengräberfeld mit mehreren hundert Bestattungen in Kleinlangheim im Landkreis Kitzingen. Dieser Friedhof der Merowingerzeit wird von der Außenstelle Franken des Landesamtes für Denkmalpflege seit einiger Zeit planmäßig ausgegraben, da ein vorgesehener Siedlungsbau die Bergung notwendig machte. Der Reihengräberfriedhof ist für uns deshalb besonders interessant, weil er aus der Zeit der fränkischen Landnahme stammt, in deren Verlauf auch das Gebiet um den Zusammenfluss von Onolzbach und Rezat neu besiedelt wurde, Derartige Frankengräber sind im engeren Ansbacher Raum noch nicht aufgefunden worden, vielleicht vor allem deshalb, weil die Friedhöfe dieser Zeit später von den christlichen Gemeinden oft weiter benutzt worden sind und so die alten Bestattungen der Zerstörung anheim fielen. So verfolgten Peter Seßler und der Berichterstatter erst im Spätherbst 1967 die Kanalisationsarbeiten um die Kirche von Leutershausen mit besonderer Aufmerksamkeit, um vielleicht ein derartiges Reihengräberfeld in unserer Heimat zu finden, was gerade bei dem altbesiedelten Leutershausen denkbar gewesen wäre. Leider stellte sich bislang ein Erfolg in dieser Richtung nicht ein.

 

Kleinlangheim ist für das hier angeschnittene Thema interessant, weil zwischen den Körperbestattungen und Brandgräbern auch verschiedene Tierbeisetzungen festgestellt wurden. Unter ihnen befanden sich die vollständig erhaltenen Skelette von Pferden, die offenbar bewusst zwischen den Menschen beigesetzt waren. Wenn wir gleichzeitig daran denken, dass der berittene Martin der wichtigste Heilige der Franken war, was auch den zahlreichen Patrozinien der durchwegs alten Martinskirchen zu entnehmen ist, dann erblicken wir eine enge Verbindung von Mensch und Pferd, die geradezu als beispielhaft anzusehen ist. Für unseren Raum muss die Ausgrabung von Kleinlangheim — es gehörte übrigens später zum Fürstentum Ansbach — stellvertretend stehen. Sie zeigt jedenfalls wesentliche Merkmale der Franken, für die das Pferd eine überragende Rolle spielte.

Für die engere Heimatgeschichte ist festzustellen, dass das Gebiet des späteren Ansbach vermutlich schon zum Ende des 7. Jahrhunderts von Franken besiedelt wurde. Bekanntlich hieß Ansbach noch in den Dokumenten des 18. Jahrhunderts Onolzbach. In Onolt wird ein fränkischer Siedler vermutet, mit dem auch Onolzheim bei Crailsheim in Zusammenhang zu stehen scheint. Die Gründungsgeschichte Ansbachs will wissen, dass drei Urhöfe am Anfang der Entwicklung standen, ein Motiv, das in ähnlicher Form nicht nur für Ansbach bezeugt ist.

 

Definitiv in das Licht der Geschichte tritt die kleine Siedlung im Tal der Rezat mit der Gründung eines Benediktinerklosters durch den fränkischen Edelfreien Gumbert. Um das Jahr des genauen Entstehens hat es in der Ansbacher Geschichtsforschung manche heiße Diskussion gegeben, vielleicht sollte man sich damit begnügen, dass die Gründung um 750 erfolgt sein muss. Wie nun das Pferd aus dem Lebenskreis der Franken nicht hinwegzudenken ist, so darf auch angenommen werden, dass es bei der Rodung des dichten Waldes, beim Aufbau des Klosters als wertvoller Arbeiter eingesetzt wurde. Freilich geben uns darüber Geschichtsquellen keine Hinweise.

 

Das nächste markante Datum der Ansbacher Pferdegeschichte ist das Jahr 1220, zur Zeit der Regierung des hochbedeutenden Friedrich II. Unter diesem letzten großen Stauferkaiser schien Ansbach auf dem besten Weg, freie Reichstadt zu werden. Dieses Privileg war vor allem dadurch zu erringen und zu befestigen, dass die Kaisertreue dokumentiert und durch die Stellung von Truppen erhörtet wurde. So zogen 1220 Ansbacher beritten und zu Fuß über die Alpen, um in einem der vielen unglückseligen Italienzüge die Macht des Kaisers zu erhalten. Vielleicht ist es mehr als ein Zufall, dass im folgenden Jahr 1221 Ansbach erstmals urkundlich als Stadt erwähnt wird. Freilich war der geschichtliche Weg, der Stadt später trotzdem ein anderer, als der der benachbarten Reichstädte. 1331 kam Ansbach unter die Herrschaft der Nürnberger Burggrafen, der Hohenzollern, die Schicksal und Gesicht der Rezatstadt für mehr als 450 Jahre bestimmen sollten und Ansbach in der Mitte des 15. Jahrhunderts zu ihrer Residenz, schließlich auch zur Hauptstadt des Fürstentums.

 

Die Hohenzollern betrieben im ausgehenden Mittelalter eine gezielte territoriale Erwerbspolitik, die auf die Schaffung eines geschlossenen Herrschaftsbereiches hinstrebte. Sie brachten Roth, Schwabach, Wassertrüdingen, Crailsheim mit dem Umland an sich, um nur einige Beispiele zu nennen. Ihre wichtigste

 

Erwerbung stellte Ansbach dar, das als geographisches Zentrum des Hohenzollernbesitzes im Westen von Nürnberg logischerweise unter dem Markgrafen und späteren Kurfürsten Albrecht Achilles zur Hauptstadt des Fürstentums aufsteigt. Unter der Regierung von Albrecht Achilles (1440----1486) erreicht die Geschichte Ansbachs einen ersten Höhepunkt. Die glanzvolle Hofhaltung des Markgrafen gehört mit der Bayern-Landshuts zu den herausragenden des Reiches.

 

Die Rezatstadt sieht unter Albrecht Achilles die prächtigsten Turniere ihrer Zeit und Ihrer ganzen Geschichte. Vielleicht am denkwürdigsten und bedeutendsten wurde das Turnier' von 1485. Die Teilnehmer kamen aus Bayern, Franken, Schwaben und den Rheinlanden, insgesamt über 200. Das Turnier ist deshalb besonders greifbar geworden, weil sich von ihm im Ansbacher Stadtarchiv eine Quartierliste erhalten hat, die einen genauen Überblick über die Zahl der beteiligten Pferde und deren Eigentümer gibt.

 

Insgesamt wurden 600 Personen und etwa 3000 Pfede untergebraht. Die Quartier- und Stalliste zeigt eindringlich, welche Lasten die Bürger auf sich nahmen, um das Turnier des Landesherrn zu ermöglichen.

So nimmt Ambrosius Trometter 5 Pferde des „Wirttenberges“ in seinen Stall auf. Auch der Jude Gockelmann muss Pferde des „Wirttenbergers“ einstellen, bei ihm sind es elf. Beim Metzger Sixt umfasst die Einquartierung sogar 25 Pferde, bei Niclas Grübner 24 Pferde des Schencken von Limperg, Kaspar Weyglein nimmt 39 Pferde auf. Bei Maler Endres, vermutlich vor allem Kartenmaler wieder nur fünf. Sogar der Bürgermeister Fritz Faulfisch nimmt 15 Pferde, der Schnitzer Ulrich zwei, Peter Maler zwei, selbst die Herren des Gumbertusstifts bleiben nicht verschont.

 

Die Namen der Turnierteilnehmer und Pferdebesitzer sind fast durchwegs angemerkt und verzeichnen manche Familie, die deutsche Geschichte mitgestaltet hat. Da erscheinen die Leonrod, Seckendorff, Hohenlohe, Nassau und viel, andere mehr. Wie die Resonanz des Turniers außerordentlich war, ist auch der Nachhall lange zu verspüren. So erteilt 1827 der Magistrat der Stadt Ansbach den Auftrag, die Turniere von 1485 und 1518 auf großen Wandbildern in der Orangerie darzustellen. Karl Alexander Heideloff und der Kreis- und Regierungsbaurat Keim führen die Bilder aus, die anlässlich des Besuches des bayerischen Königs entstehen. Leider sind sie 1945 zugrunde gegangen, einige sind in Druck-reproduktionen erhalten, so eine Lithographie, auf der ein Stechen zwischen einem Seckendorff und einem Gumppenberg dargestellt wird.

 

Wir wissen über die technische Seite der Ansbacher Turniere nur wenig, die mit dem Ende des Mittelalters mehr und mehr ihren Kampfcharakter verlieren und sich zum Schaubild entfalten. Immerhin war das Jahr 1485 mit 3000 Pferden in Ansbach, für die ja neben dem eigenen Bestand Platz zur Verfügung stehen musste, für die Reitergeschichte der Rezatstadt von großer Denkwürdigkeit. Daneben verdient festgehalten zu werden, dass außerdem der Markgraf zu dieser Zeit über eine stehende Reitertruppe von 600 Mann verfügte.

 

Reguläre Kavallerie im modernen Sinn bildete sich allerdings in Ansbach erst im 17. Jahrhundert heraus. Hier sind es wiederum die Dragoner, die im Vordergrund stehen und bis in das 18. Jahrhundert hinein verfolgt werden können. Wir sehen Ansbacher Dragoner in Italien und Frankreich. In Deutschland kämpfen seit dem Dreißigjährigen Krieg geschlossene Regimenter. Gleichzeitig bildet sich der Unterschied zwischen "Schwerer" und „Leichter Kavallerie" heraus, zu der noch der Dragoner als gewissermaßen berittener Infanterist kommt. Für Ansbach werden die Dragoner geradezu sprichwörtlich und heute noch spontan als die beherrschende Truppe angesehen. Man kann sogar von einem Dragonermythos sprechen, der die Gefahr von Irrtümern barg.

 

Hierher gehört vor allem die Geschichte der Dragoner von Ansbach-Bayreuth und der Schlacht von Hohenfriedberg. Es handelt sich um das in Pasewalk stationierte preußische Dragonerregiment, das bei Hohenfriedberg die entscheidende Attacke ritt, nicht aber um eine geschlossene Ansbacher Einheit. Wohl haben Ansbacher und Bayreuther zu dieser Zeit in preußischen Diensten gestanden, doch darf die Attacke nicht für einheimische Truppen in Anspruch genommen werden, wie es der Text zum 100 Jahre nach der Schlacht von Hohenfriedberg entstandenen Lied nahelegt. Für Ansbach ist in der Zeit Friedrichs des Großen eine starke Zurückhaltung des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich.

festzustellen, der die kriegerischen Pläne seines preußischen Schwagers nicht nur ablehnte, sondern auch besten Kontakt zum kaiserlichen Hof unterhielt. Erst unter dem Sohn Alexander trat eine Besserung der Beziehungen zu Preußen ein, ihm wurde dann auch das Dragonerregiment von Hohenfriedberg verliehen und damit lange nach der Schlacht die Verbindung zu Ansbach hergestellt. Dass zwischen der Rezatstadt und dem Dragonerregiment erst später Beziehungen entstanden geht auch aus dem Refrain „Auf Ansbach-Bayreuth" hervor. Erst 1769 fiel nämlich Bayreuth wegen des Aussterbens der dortigen Linie an die Ansbacher Vettern, und von diesem Jahr an wird vom Markgrafen von Ansbach-Bayreuth gesprochen.

 

Im Ansbach des mittleren 18. Jahrhunderts steht dann der Husar im Vordergrund des Interesses. Die Reiterei nimmt dadurch einen großen Aufschwung, dass Markgraf Carl Wilhelm Friedrich sich der Pferdezucht besonders annimmt, vor allem auf dem Sommersitz Triesdorf. So werden Pferde aus England eingeführt, man beginnt mit Kreuzungen und allerlei Zuchtversuchen. Übrigens umspannten diese Bemühungen später auch die Rinder- und Schafzucht und letztlich geht die Existenz des „Triesdorfer Schlags" wie überhaupt der heutigen landwirtschaftlichen Schulen in dem kleinen Ort auf die Bemühungen der letzten beiden Markgrafen von Ansbach zurück.

 

Das besondere Interesse des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich (1729-1757) galt den Husaren. Ein Teil dieser Truppe lag in der Residenzstadt und hatte seine Stallungen an der Stelle der heutigen katholischen Pfarrkirche St. Ludwig. Andere Husareneinheiten lagen in Gunzenhausen, Crailsheim, Triesdorf, auch in Feuchtwangen und später Neustadt a. d. Aisch. Die Husaren hatten immer wieder Sonderaufträge des Fürsten auszuführen, etwa geheime Kurierdienste, und befanden sich meist in der Umgebung Carl Wilhelm Friedrichs. Malereien auf Ansbacher und Crailsheimer Fayencekrügen haben uns das Bild dieser vielleicht schönsten Kavallerietruppe der einheimischen Geschichte überliefert.

 

Ansbach musste immer wieder Truppen für den Fränkischen Kreis stellen, dessen militärisches Kommando zeitweise bei Ansbacher Markgrafen lag. Hier begegnen wir auch Kürassieren aus Ansbach. In ähnlicher Form mussten auch andere Mitglieder des Fränkischen Kreises, etwa die Fürstentümer Bamberg und Würzburg, oder der Markgraf von Bayreuth Truppen zur gemeinsamen Verfügung halten.

 

In dieser Zeit kavalleristischer Vielfalt ist ein Streifzug durch den Ansbacher Hofkalender sehr aufschlussreich, der z. B. im Jahre 1756, dem vorletzten Lebensjahr des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich, ein reiches Bild zeigt. Vorauszusetzen ist dabei, dass jeder Beamte und Offizier von gehobener Bedeutung auch privat über ein Pferd verfügte. Als erste reiterliche Gruppe nennt der Hofkalender die Trompeter und Pauker. Sie sind bei öffentlichen Umzügen beritten und kündigen den Fürsten durch ihre zeremonielle Musik an. In Ansbach umfasste diese durch besonderen Standesstolz gekennzeichnete Gruppe durchschnittlich 8-16 Mann. Sie hatte mit der eigentlichen Hofkapelle nichts zu tun, die sich unter Markgraf Alexander eines beachtlichen Rufes erfreute. Während die Hofkapelle die Orchestermusik des 18. Jahrhunderts pflegte, widmeten sich Trompeter und Pauker musikalisch nur ihrer zeremoniellen Aufgabe, Kommen und Präsenz Serenissimi zu dokumentieren. Aus der Besetzung Trompeten und Pauke ist zu schließen, dass auch eine Eigene, fest umgrenze Musikliteratur verwendet wurde. Besetzung und charakteristische Werke sind die Zeugnis der klassischen deutschen Kavalleriemusik, die sich von der Musik der Fußtruppen (flöte und Trommel) auch literaturmäßig restlos abhob. Am Rande sei hier vermerkt, dass sich daneben in der Jägermusik mit Hörnern noch ein dritter Zweig entwickelte, dessen charakteristische Art vielleicht im „Marsch der freiwilligen Jäger“ von 1813 populärsten Ausdruck gefunden hat.

 

Als nächster Punkt erscheint noch vor dem Kriegsstaat die Obriststallmeister, das Rückgrat des Ansbacher Pferdewesens. Aufschlussreich ist hier die Gliederung, die Einblicke in Verwaltung und Pferdepflege gewährt. Zunächst gibt es den Obriststallmeister, im Jahre 1756 ist dies Christoph Ehrenfried von Poellnitz, sein Vertreter ist Wolf Ehrenfried von Reitzenstein, der gleichzeitig Offizier bei den Husaren war. Reitzenstein hat 1770 ein hübsches Buch mit 21 Kupferstichen über die Reiterei und die Dressur, die Kunst das Pferd zu behandeln, herausgebracht. Nach ihm ist mit Carl Wilhelm Teuffel von Pirkensee ein Stallmeister genannt, auf den noch drei weitere folgen. Schließlich gibt es ein Marstallsekretarium, einen Kammerkanzlisten nebst einem Marstallsekretariatsadjunctus. Dann aber geht es zur praktischen Reiterei!

 

Hier wimmelt es von bürgerlichen Bereitern, Reitscholaren, Verwaltern und Inspektoren. Da gibt es Gestütsmeister und Sattelkammerverwalter, Fohleninspektoren. und Futteraufseher, Geschirrmeister und Reitschmiede, Leibkutscher und sogar der Hofschwertfeger Christoph Martin Rohe gehört zur Obriststallmeisterei. In Triesdorf sitzt ein eigener Meiereiinspektor, in Gunzenhausen ein Fouragecommissar. Die Stallmeisterei von 1756 umfasst sogar noch zwei Leichenkutscher und drei Oberkutscher, 1770 verfügt der Hof über drei Postillons.

 

Ein Sonderkapitel ist die Ansbacher Falknerei. Auch sie musste zumindest teilweise beritten sein. Es ist eine Eigenart des Ansbacher Hofes unter dem Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich, dass die Obristfalkenmeisterei größer als die Stallmeisterei und in ihrer personellen Besetzung größer als selbst die des kaiserlichen Hofes war. Zeitweise hatte die Falknerei rund 55 Bedienstete, darunter auch den „Falkenmaler" Wilhelm Konrad Liebhard. Verschiedene Ansbacher Fayencekrüge der „Grünen Familie", ein reizvoller Paravent im Ansbacher Museum und vor allem die berühmte Fayenceplatte in der Stuttgarter Landesgewerbeanstalt zeigen uns die berittenen Herrschaften bei der Jagd mit dem Falken. Angemerkt sei ferner, dass es natürlich auch die Obristjäger- und Obristforstmeisterei gab, weit umfangreicher als die Falknerei, die gleichfalls zu einem Teil beritten sein mussten. Unter ihnen mögen als Kuriosität Trüffelsucher und Trüffeljäger Erwähnung finden.

 

Dann erst führt der Hofkalender den „Kriegs-Staat" auf, der durch das Garde du Corps eingeleitet wird. An der Spitze des Kriegsstaates steht ein Präsident, der über eine eigene Kriegs-Canzlei verfügt. Dann aber wird bereits die Leibgarde, das Garde du Corps genannt. Hier finden wir alle Namen des Ansbacher Hofadels von Bedeutung: Forstner von. Dambenois, Leubelfing, Gemmingen, Poellnitz, Nostiz, Lentersheim, Berlichingen, Dieskau, Ellrodt, Voit von Salzburg, Reizenstein, Seckendorff, Mardefeld, Stein zum Altenstein, Schlammersdorf, Trechsel von Teufstetten, hinzu kommt noch ein bürgerlicher „Unterstab" nebst Stabs-Chirurgus. Aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts besitzen wir Bilder des Ansbacher Garde du Corps in seiner eleganten weißen Uniform.

ich seit 1864 nennt, werden in der Rezatstadt vereint. Von jetzt an bestimmen die Ulanen für fünfzig Jahre allein das kavalleristisch-militärische Bild Ansbachs.

 

1870/71 nimmt das Regiment am Krieg gegen Frankreich teil, die Einführung des Kavallerie-Karabiners und später der Stahlrohrlanzen markieren neue. Punkte

 

Reiterlich-waffentechnischen Entwicklung. 1900 wird an der Würzburger Landstraße eine Ulanenkaserne gebaut, der die Gebäude des 18. Jahrhunderts weichen müssen. Separate Vereinigungen von Chevaulegers und Ulanen tun sich auf. 1913• begeht das Regiment sein 50jähriges Jubiläum, noch einmal ist Ansbach vom Glanz der Feierlichkeiten und des damit verbundenen Regimentstages erfüllt. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges, sieht die Ansbacher sofort im Felde. Bei Lagarde reitet die Bayerische Ulanenbrigade, zu der auch das Ansbacher Regiment gehört, eine verlustreiche Attacke. Wenig später lenkt Fürst von Wrede durch seinen kühnen Patrouillenritt nach Lille die Aufmerksamkeit auf die königlichen Ulanen. Der weitere Verlauf des Krieges bringt die Ansbacher nach Rußland bis zur Krim, von der sie sich, in der Zeit des Zusammenbruchs 1918/19, kameradschaftlich geschlossen zurückkämpfen.

 

Die weiteren Stationen Ansbacher Reitergeschichte sind wohlbekannt. 1925 wird der Ansbacher Reiterverein gegründet. In ihm münden alle Ströme reiterlciher Tradition ein: Ulanen, Chevaulegers finden bei ihm Refugium. Der heutige Reit- und Fahrverein ist mit der Reit- und Fahrschule ausschließlicher Träger des Ansbacher Reiterlebens geworden, das zu den regsten und vielfältigsten Bayerns gehört.

 

So begleitet das Pferd die Ansbacher Geschichte von seinen Anfängen bis in die jüngste Gegenwart, seine Spuren zu verfolgen, heißt gleichzeitig die Annalen Ansbacher Geschichte zu schreiben. Als stummen Zeugen finden wir immer das Pferd, den Gefährten des Menschen, von den Frankengräbern am Main, über das glänzende Turnier des Albrecht Achilles und Ansbachs Dragoner, Husaren und Ulanen zur Reiterjugend der Gegenwart.

 

Adolf Lang