Ansbacher Husaren

Um das Leben des Ansbacher Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich ranken sich viele mehr oder minder wahre Geschichten· Eines dieser Histörchen will wissen, daß der "wilde" Markgraf einen Husaren in Öl haben sieden lassen, der einst die Flinte auf ihn angelegt hatte. Nun sind zwar über Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach manche Geschichten bekanntgeworden, die ihn in gewissen Lebenssituationen als jähzornigen Herrscher zeigen, doch übersteigt das Stückchen vom gesottenen Husar selbst die Ansbacher Vorstellungswelt des 18. Jahrhunderts

Die Sache mit dem gesottenen Husaren wird dadurch scheinbar abgerundet, dass sich im Naturalienkabinett des Ansbacher Gymnasiums ein menschliches Skelett befand, das als Überreste des unglücklichen Husaren bezeichnet wurde. Eine etwas eingehendere Betrachtung hat aber gezeigt, dass dieses Skelett schon seit den Zeiten des Markgrafen Johann Friedrich präpariert war. Es war dereinst im Jahre 1675 von dem Altdorfer Anatom Johann Moritz Hoffmann, der als Leibarzt des Markgrafen tätig war, dem hohen Patienten dediziert worden.

 

 

 

Wenn auch die Geschichte des gesottenen Husaren in das Reich der Fabel gehört, so ist es aber doch Tatsache, dass Markgraf Carl Wilhelm Friedrich den Husaren näher verbunden war, die sich vielfach in seiner engeren Umgebung befanden. Er selbst hatte 1734 ein Husarenregiment errichtet, das unter dem Kommando des Majors von Heidenaab stand. So sind auch in der Volkszählung von 1734, deren Unterlagen das Stadtarchiv Ansbach verwahrt, etliche Husaren ausgewiesen, die als Bewohner von ,,rätischen« Häusern erfasst wurden. Erst später sollten eine Husarenkaserne und eine Pferdeschwemme errichtet werden, die auf dem Platz der heutigen katholischen Pfarrkirche St. Ludwig standen.

 

 

 

Ein Blick in den Brandenburgisch-Onolzbachischen Kalender von 1756 zeigt, dass eine Reihe illustrer Namen in der Offiziersliste des Husaren-Corps zu finden ist. Kommandant war zu dieser Zeit Wolf Ehrenfried von Reitzenstein, der gleichzeitig als ,,Kammer-Herr, Ober-Stallmeister, Kriegs-Rath und Ober-Amtmann zu Windsbach“ wirkte. Wir finden Philipp Gottfried Stein zum Altenstein als Rittmeister, wie auch Friedrich Carl von Falkenhausen, den Sohn des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich aus seiner Nebenehe mit Elisabeth Winkler. Im Jahre 1773 war dann Wolf Philipp von Leubelfing Kommandant der Husaren, unter dem auch Otto Heinrich von Dieskau und Gottlob Christian von Dieskau als Offiziere dienten.

 

 

 

Im Jahre 1783 hingegen war der Oberbefehl über das Husaren-Corps nur dem über das Garde du Corps vereinigt und lag in den Händen von Generalleutnant August Wilhelm von Treskow. Es war das Jahr, in dem die geschlagenen Ansbacher Truppen aus Nordamerika zurückkehrten. Zu dieser Zeit umfasste das Husaren-Corps etwa 100 Mann. Es war zum größten Teil in Ansbach selbst stationiert, doch lagen Teilkommandos in Triesdorf und anderen Orten des Fürstentums. Die Husaren fanden vornehmlich für Streifen und Grenzwacht Verwendung, auch wurde ihnen wichtige Kurierpost zur Weiterbeförderung übergeben.

 

 

 

1791 verzichtete der letzte Markgraf Karl Alexander auf seinen Thron und ging nach England. Die Fürstentümer Ansbach und Bayreuth wurden preußisch, Karl August von Hardenberg übernahm die Regierung in den fränkischen Hohenzollernbesitzungen. Bei der Neuvereidigung der Ansbacher Truppen sprach er sich sehr lobend über das ,,Militair“ aus. Vor allem das Husaren-Corps wurde entsprechend gerühmt und soll eine besondere Anziehungskraft auf junge Leute ausgeübt haben. In der Folge wurden die Husaren als ansbachisches Kontingent für das Militär des fränkischen Kreises bestimmt.

 

 

 

Im Jahre 1792 klärt uns Hardenberg in einer Denkschrift über Ansbachs Militär näher über die Verwendung der Husaren auf, dass diese „bislang stark gebraucht worden, teils zu Streifen, teils zu Patrouillen gegen Vagabunden, teils zur Fortbringung herrschaftlicher Depeschen, vorzüglich von Ansbach nach Bayreuth und umgekehrt“. Im gleichen Jahr wurde in Berlin ein neues Husarenbataillon von Frankenberg errichtet, dem auch die hiesigen Husaren angeschlossen wurden. Im September 1795 erhielten die Husaren die Bezeichnung ,,Ansbachisches Husarenbataillon“, welches in fünf Eskadronen gegliedert war.

 

 

 

Zu Beginn des Jahres 1800 kann ein stattliches ,,Ansbach-Bayreuthsches Husaren-Bataillon« nachgewiesen werden, welches Garnisonen in Ansbach, Neustadt, Feuchtwangen, Gunzenhausen und Uffenheim unterhält. Sein Kommandeur ist nun Obrist von Bila. Im Offizierskorps sind wiederum zahlreiche interessante Namen zu finden. Bei den Stabsrittmeistern ist ein Herr von Kleist aufgeführt. Unter den ,,Second-Lieutenants“ sind die Namen von Sandrart, von der Golz, von der Heyde sowie zwei Herren von Falkenhausen zu finden.

 

Als Cornets dienen unter anderen ein Herr von Frankenberg, von Pöllnitz und ein weiterer Sproß der Familie von Falkenhausen, sogar ein schlichter Herr Jahn hat den Weg in die geachtete Truppe gefunden.

 

 

 

Die kommenden großen historischen Ereignisse sollten dann das Ende der Ansbacher Husaren bringen. Für 1806 berichtet Oskar Döpping, dem viele Nachrichten über das Ansbacher Militärwesen zu verdanken sind, dass das Husarenbataillon je 375 Inländer und Ausländer zähle. Zu dieser Zeit hatte die Truppe bereits nach Bayreuth abrücken müssen, um den Soldaten des Marschalls Bernadotte Platz zu machen, der die Übergabe der Fürstentümer an

 

Bayern vollzog. Viele Ansbacher desertierten auf diese Nachricht aus dem Husarenbataillon. Die Reste der Husaren wurden auf bayerische Chevauleger-Regimenter verteilt. Damit war das den großen Umwälzungen entsprechende, wenig ruhmvolle Ende einer schmücken und disziplinierten Truppe gekommen.

 

 

 

Adolf Lang